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Der Progressionsvorbehalt – am Beispiel des Kurzarbeitergeldes

Der Progressionsvorbehalt - am Beispiel des Kurzarbeitergeldes

Lohnersatzleistungen wie z.B. das Kurzarbeitergeld werden oft steuerfrei gezahlt, unterliegen jedoch dem Progressionsvorbehalt. Doch was bedeutet das genau?

Angesichts von knapp 6 Millionen Arbeitnehmern, die allein im April 2020 nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeitergeld in Anspruch genommen haben, ist dies ein wichtiges Thema.

Dieser Beitrag beschreibt die möglichen Auswirkungen durch den Bezug von Kurzarbeitergeld bei der Einkommensteuerveranlagung anhand eines konkreten Beispiels.

Das Kurzarbeitergeld

Arbeitnehmer haben unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf Kurzarbeitergeld (Kug). Hierzu gehören nach § 95 SGB III

  •  ein erheblicher Arbeitsausfall mit Entgeltausfall,
  • bestimmte betriebliche Voraussetzungen,
  • persönliche Voraussetzungen und
  • dass der Arbeitsanfall der Bundesagentur für Arbeit angezeigt wurde.

Die einzelnen Voraussetzungen werden ausführlich im Blog-Beitrag "Voraussetzungen für Kurzarbeitergeld wegen Corona-Pandemie" beschrieben.

Das Kurzarbeitergeld wird anhand der Kurzarbeitergeldtabelle der Bundesagentur für Arbeit ermittelt. Hierzu wird - unter Berücksichtigung der Steuerklasse und eines unterschiedlichen Leistungssatzes für Arbeitnehmer mit und ohne Kinderfreibetrag - ein rechnerischer Leistungssatz für das Soll-Entgelt (Bruttoarbeitsentgelt ohne Kurzarbeit) und das Ist-Entgelt (vermindertes Bruttoarbeitsentgelt aufgrund von Kurzarbeit) abgelesen.
Derzeit gibt es unter bestimmten Voraussetzungen ab dem 4. und ab dem 7. Bezugsmonat ein jeweils erhöhtes Kurzarbeitergeld.

💡 Tipp: Weitere Informationen zum Kurzarbeitergeld sowie ein ausführliches Training gibt es im E-Learning Kurs von Lohn-Training.

Beispiel: Berechnung des Kurzarbeitergeldes:

Ein Arbeitnehmer (I / - / -) verdient monatlich 3.000,00 EUR brutto. Im Zeitraum März - Mai 2020 hat der Arbeitnehmer aufgrund von Kurzarbeit jeweils 50 Prozent weniger pro Monat gearbeitet.

wdt_IDBruttoarbeitsentgeltin EUR
1Monatliches Bruttoarbeitsentgelt ohne Kurzarbeit3.000,00
2abzgl. ausgefallenes Bruttoarbeitsentgelt aufgrund von Kurzarbeit-1.500,00
3= Bruttoarbeitsentgelt in einem Monat mit Kurzarbeit1.500,00

 

Aus der Kug-Tabelle (67% bzw. 60%) der Bundesagentur für Arbeit

wdt_IDKurzarbeitergeldin EUR
1Rechnerischer Leistungssatz für das Soll-Entgelt (I, Leistungssatz 2)1.182,11
2abzgl. rechnerischer Leistungssatz für das Ist-Entgelt (I, Leistungssatz 2)680,75
3= Kurzarbeitergeld (Kug)501,36

Zu seinem verminderten Arbeitsentgelt in Höhe von monatlich 1.500,00 EUR erhält der Arbeitnehmer in den Monaten März - Mai jeweils zusätzlich 501,36 EUR Kurzarbeitergeld.

Das Kurzarbeitergeld ist als Lohnersatzleistung zwar steuerfrei, unterliegt aber dem sogenannten Progressionsvorbehalt. Aus diesem Grund ist es in der Zeile 15 der Lohnsteuerbescheinigung anzugeben.

Der Progressionsvorbehalt

Der Progressionsvorbehalt ist eine Regelung, nach der bestimmte steuerfreie Einkünfte nicht besteuert werden (§ 32b EStG). Sie werden jedoch bei der Ermittlung des Einkommensteuersatzes berücksichtigt. Ein Beispiel ist das Kurzarbeitergeld.

Der Progressionsvorbehalt soll sicherstellen, dass auch Personen mit einem vergleichsweise hohen Einkommen trotz ihrer steuerfreien Einkünfte ihr steuerpflichtiges Einkommen mit einem angemessenen Steuersatz versteuern müssen.

Beispiel: Progressionsvorbehalt am Beispiel des Kurzarbeitergeldes

Arbeitnehmer aus Beispiel I: Steuerklasse I, Veranlagungszeitraum 2020, Einzelveranlagung

Das zu versteuernde Jahreseinkommen (ohne Kug) des Arbeitnehmers aus Beispiel I beträgt für 2020 31.500,00 EUR. Zusätzlich hat er für die drei Monate, die er von Kurzarbeit betroffen war, ein Kurzarbeitergeld von insgesamt 1.504,08 EUR erhalten.

wdt_IDEinkommensteuer für stpfl. Einkommen ohne Kugin EUR
1Steuerpflichtiges Einkommen ohne Kug31.500,00
2Einkommensteuer dafür5.650,00

wdt_IDEinkommensteuer für fiktives stpfl. Einkommenin EUR
1Steuerpflichtiges Einkommen ohne Kug31.500,00
2zzgl. Kug1.504,08
3fiktives zu versteuerndes Einkommen (abgerundet auf volle EUR)33.004,00
4Einkommensteuer dafür6.123,00

Progressionssteuersatz= 6.123,00 EUR x 100 / 33.004,00 EUR= 18,5522%

Einkommensteuer (abgerundet auf volle EUR)= 31.500,00 EUR x 18,5522%= 5.843,00 EUR

Die Einkommensteuer des Arbeitnehmers beträgt für den Veranlagungszeitraum 2020 5.843,00 EUR.

 

Steuernachzahlung= 5.843,00 EUR - 5.650,00 EUR= 193,00 EUR

Aufgrund des Kurzarbeitergeldes muss der Arbeitnehmer 193,00 EUR Einkommensteuer nachzahlen.

Arbeitgeber sind nicht verpflichtet, ihre Arbeitnehmer zu informieren, dass eine steuerfreie Lohnersatzleistung wie in diesem Fall das Kurzarbeitergeld zu einer Einkommensteuer-Nachzahlung führen kann.